Schulen haben die Möglichkeit, das IoT deutlich stärker zu nutzen, als sie es heute tun. Eines der größten Hindernisse auf diesem Weg ist das Verständnis für diese Möglichkeiten.
Schulen und Universitäten nutzen IoT bereits im Alltag durch Sicherheitsanwendungen wie Videoaufzeichnung und Zutrittskontrolle.
Doch wie sieht es mit anderen Einsatzbereichen aus? Schulen haben die Technologie, die sie bereits installiert haben, und die Daten, die sie erfasst, genutzt, um mehr daraus zu machen. Kameras und Zutrittskontrollsysteme bieten nicht nur Sicherheit, sondern können auch messen, wann Teile eines Campus stark genutzt oder untergenutzt sind. Diese Daten können zur Effizienzsteigerung eingesetzt werden – etwa indem IP-Kameras oder IP-basierte Zutrittskontrollen erkennen, wenn sich zu viele Menschen in einem Raum aufhalten, und den Personenfluss in weniger frequentierte Bereiche lenken – ein großes Thema auf dem Campus, wenn Studierende regelmäßig zu ihrem nächsten Kurs oder ihrer nächsten Vorlesung wechseln.
Einige Schulen sind mit ihren IoT-Einführungen noch weiter gegangen, haben bessere Campus-Kommunikation und Umweltsensoren integriert und weitere Anwendungsfälle entdeckt: bessere Organisation bei Stoßzeiten beim Bringen und Abholen, Steuerung von Menschenmengen bei großen Veranstaltungen und das Eindämmen unsozialen Verhaltens wie Vaping.
Ein aktueller Bericht, „Smart campuses, smarter decisions: unlocking the potential of IoT in schools“, untersuchte diese Vorteile im Detail sowie die Herausforderungen, denen Schulen bei der Umsetzung begegnen.
Wenn IoT diese Effizienzgewinne ermöglichen kann – basierend auf Technologien, die bereits existieren –, warum nutzen dann nicht mehr Schulen diese Möglichkeiten? Ironischerweise liegt das Problem oft im fehlenden Wissen. Niemand kann Lösungen implementieren, von denen er nicht weiß, dass sie existieren.
Tunnelblick und fehlendes Wissen
Ein Teil des Problems ist die Fokussierung. Schulen haben Sicherheit und Schutz ganz oben auf der Agenda – und das zu Recht. Sie wollen und müssen eine Umgebung schaffen, in der sich Schüler und Mitarbeitende sicher fühlen. Investitionen in Sicherheit haben Priorität.
Das bedeutet jedoch manchmal, dass andere Vorteile übersehen werden. Zutrittskontrollsysteme halten Personen fern, die keinen Zugang haben sollten, liefern aber gleichzeitig detaillierte Informationen darüber, wann und wo Personen Gebäude betreten. Mit der Zeit können diese Daten Muster sichtbar machen und Möglichkeiten zur Optimierung der Raumnutzung aufzeigen – potenziell mit weniger Energieverbrauch oder als Grundlage für zukünftige Planungsentscheidungen. Moderne Videoaufzeichnungssysteme können in Kombination mit Analysesoftware verwertbare Daten generieren, etwa Nutzungstrends, Belegungsgrade oder Engpässe in stark frequentierten Bereichen. Analysen können auch die Sicherheit verbessern – intelligente Suchfunktionen sparen Stunden manueller Sichtung, um Vorfälle oder Bewegungen bestimmter Personen zu identifizieren.
Doch Sicherheitsinvestitionen werden nach ihrem Einfluss auf die Sicherheit geplant und bewertet. Wenn ein Sicherheitsupgrade ansteht, werden die Anforderungen der Schule von Fachberatern ermittelt und spezifiziert. Bei der Ausschreibung eines solchen Projekts wird alles, was über diesen Sicherheitsauftrag hinausgeht, als „Scope Creep“ betrachtet.
Auf der einen Seite stehen Schulen, die nicht wissen, wozu ihre Technologie fähig ist und es daher nicht spezifizieren können, und auf der anderen Seite Berater, die im Auftrag der Schulen strikt nach Vorgabe arbeiten. Beide Seiten handeln korrekt – doch das Ergebnis ist, dass zusätzliche Vorteile ungenutzt bleiben.
Die Wissenslücke schließen
Wie können Schulen diese Lücke schließen und sicherstellen, dass sie ihre vorhandenen und geplanten IoT-Ressourcen optimal nutzen?
Der erste Schritt ist eine bessere Kommunikation zwischen den Abteilungen. Verantwortliche für IT, Sicherheit und Gebäudemanagement müssen sicherstellen, dass sie die Bedürfnisse der jeweils anderen verstehen und wie IoT-Einführungen allen zugutekommen können. Wenn diese Teams isoliert arbeiten, lösen Technologieprojekte eher Einzelprobleme statt vieler.
Auch Berater tragen Verantwortung, proaktiver dafür zu sorgen, dass ihre Kunden alle Vorteile ihrer IoT-Einführungen erhalten. Scope Creep bleibt etwas, das vermieden werden muss – aber das ist nicht dasselbe wie das Freischalten zusätzlicher Vorteile. Auch hier liegt die Lösung in der beidseitigen Kommunikation: Schulen müssen ihre übergeordneten Bedürfnisse mitteilen, Berater müssen mehr Informationen darüber geben, was möglich ist.
Schließlich liegt es natürlich auch an IoT-Anbietern, die richtigen Informationen bereitzustellen und Lehrkräfte über die Vorteile von IoT jenseits der Sicherheit aufzuklären. Schulen sollten Anbieter nicht nur als Lieferanten von Hard- und Software sehen, sondern als Wissensquelle für ein besseres Verständnis von IoT.
Kurz gesagt: Die Lösung liegt in der Kommunikation zwischen Abteilungen, Beratern und Anbietern, um Lösungen zu finden, die mehr leisten können.